25. Oktober 2011 – Etikettenschwindel bei der "katholischen" Erziehungsberatung

Die „Katholische“ Erziehungsberatung e.V. steht seit einigen Tagen unter Auftrag der Tabakindustrie. (Siehe 18. Oktober 2011 unten.) Wer ist aber diese Gruppierung, die mit 25.000 € im Jahr auf der Gehaltsliste der Tabakgiganten steht? Zahlt Ströer AG etwa einen Ablass aus einer neulich gewonnenen Einsicht der tragischen Wirkung ihrer Tabakwerbung? Und wieso tritt eine Organisation, die angeblich Drogensucht bekämpfen sollte, nun im Auftrag der Nikotin-Drogenhändler auf?

Vorab hat die sogenannte „Katholische“ Erziehungsberatung spärlich wenig formelle Beziehung zur katholischen Kirche. Generell sind Caritas-Mitgliedsorganisationen verpflichtet, „in ihrer Satzung sich der allgemeinen Aufsicht des Erzbischofs von Köln zu unterstellen“ (§5(1)(g), Satzung des Caritasverbandes für den Rheinisch-Bergischen Kreis e.V.). Bei der „Katholischen“ Erziehungsberatung dagegen ist selbst dieser minimale Ansatz einer Einordnung innerhalb des kirchlichen Dienstes nicht gegeben (Satzung des katholischen Erziehungsberatungsvereins). Laut Kreisdechant Norbert Hörter stehe der Verein in der Tat unter keinerlei Aufsicht, außer ihrer eigenen.

Die Mitgliedschaft des Vereins besteht vorwiegend aus einem Handvoll ausgewählter, natürlicher Personen. Unter ihnen sind laut Gerichtsakte Herr Peter Mömkes, CDU-Fraktionsvorsitzender im Rat der Stadt Bergisch Gladbach, und als Vorstandsmitglied Frau Mechtild Münzer, CDU-Vorsitzende im Jugendhilfeausschuss. Die CDU-Fraktion stimmte am 04.05.2011 im Ausschuss für Tabakwerbung auf öffentlichen Flächen.

Einsicht in dem Abkommen, wonach die „Katholische“ Erziehungsberatung nunmehr Einkünfte aus Tabakwerbung erhält, wurde von uns vergeblich verlangt. Die absolute Geheimhaltung kennzeichnet ja den langen Arm der Tabakgiganten. Laut §9 der Satzung des Vereins wird Geheimhaltung sogar von den Teilnehmern der Mitgliederversammlung verlangt: „Die Mitglieder der Mitgliederversammlung ... haben über alle Angelegenheiten des Vereines ... Stillschweigen zu bewahren...“

Es war aber jedenfalls ein gewiefter Schachzug: Der Stadtbaurat Stephan Schmickler (CDU) verwies beim Ausschuss am 04.05.2011 auf die Unterstützung der „katholischen“ Erziehungsberatung als Fachstelle. Sie würden gerne im Auftrag der Tabakgiganten tätig werden, und zwar um Tabakprävention zu finanzieren. Wahre Vertreter der christlichen Lehre hätten anders gehandelt, denn Werbung ist grundsätzlich Verführung. Die Werbespots für Zigaretten sprechen gezielt die persönlichen Defizitgefühle junger Menschen an. Somit macht sich jeder, der entweder selbst Werbeflächen zur Tabakwerbung vermietet oder mit Solchen zu diesem Zweck unter Auftrag stehen, mitschuldig an der Verführung der Jugend zum Missbrauch der Droge Nikotin. Anstatt Einkünfte aus Tabakwerbung nachzugehen, müsste ein Christ bei einem entsprechenden Angebot in aller Liebe deutlich werden: Man darf im Interesse unserer Jugendliche die Gefahren von Tabakkonsum in dieser Art und Weise nicht verharmlosen.