13. März 2011 - Bürgermeister Lutz Urbach schließt SPD-Vorschlag an.

Einkünfte aus Tabakwerbung seien für die Stadt wohl verzichtbar. Zwischen Tabak, Alkohol und Glücksspiele wäre nicht zu differenzieren. Alle Werbungsarten sollten auf städtische Flächen aufgestellt werden. Der Erlös solle aber nunmehr in "Projekte der Prävention" fließen. Diese Wende seitens der Stadtverwaltung geht aus einer geheimen Vorlage für die Fraktionsvorsitzenden vor, die ihnen am 28.02. vorgelegt wurde. Somit schließt die Verwaltung dem Vorschlag der SPD an, der am 17.02. bei der ebenso nicht-öffentlichen Sitzung des Ausschusses für UKV vorgebracht wurde. 

Tabak mit Alkohol gleichzustellen ist ganz im Sinne der Tabakindustrie. Beide seien Laster. Beide seien für "zahlreiche" Todesfälle im Jahr verantwortlich. Beide seien für Jugendliche verboten und für Erwachsene "normal". Mit diesem Durcheinander gehen vor allem Jugendliche einen fatalen Fehler ein, wenn sie Tabak neben Alkohol ausprobieren. Alkoholkonsum in kleinen Mengen gehört zum allgemein akzeptierten Verhalten. Alkohol kann man in der Regel verantwortlich konsumieren, ohne suchtig zu werden. Genau umgekehrt gilt bei Tabakkonsum: Selbst kleinen Mengen führen in der Regel zur Sucht. Tabakkonsum dürfen wir deshalb nicht als "normales Verhalten" gelten lassen. Wenn unsere Politiker den Unterschied nicht wahrnehmen, wie können wir erwarten, dass der Zwölfjährige es noch hinkriegt?

In ihrer Vorlage zum 28.02. erklärt die Verwaltung ihre Absicht, die Verhandlungen für den Vertrag 2012-2026 noch im Frühjahr durchzuführen und zwar auf der von ihnen nunmehr vorgeschlagenen Basis. Eine öffentliche Diskussion, sei es beim AUKV am 17.02. oder im Jugendhilfeausschuss am 02.03., wollte die Verwaltung auf jeden Fall vermeiden. Stattdessen sollen die zuständigen Ausschüsse erst später mit vollzogenen Tatsachen konfrontiert werden. Mit einem elementaren Demokratieverständnis hat dies nichts gemeinsam, immerhin können wir uns insofern ermutigen lassen, als die Verwaltung aus einem offenen Prozess um das von ihnen erwünschte Ergebnis offenbar zu befürchten hat.

Wir begrüßen den Vorschlag der SPD insofern, als der Erlös aus Alkoholwerbung mit der Finanzierung von Projekten der Alkoholsuchtprävention in Verbindung gebracht wird. Es gibt aber kein mäßiger Konsum von Tabak. Städtische Werbung für Tabakerzeugnisse ist um ein Vielfaches schädlicher als vergleichbare Tabakwerbung auf privaten Flächen oder eben als Alkoholwerbung überhaupt, denn Tabakwerbung auf städtischen Flächen ist unmissverständlicher Ausdruck einer gesellschaftlichen Akzeptanz der Drogue Nikotin. Projekte der Prävention werden die Schäden durch diese Werbung nicht glatt machen können, denn das, was wir tun spricht immer lauter als das, was wir sagen. Jugendliche sollten mit Tabak gar nicht anfangen.

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