3. Januar 2011 - Ein Gespräch mit Daniel Lange, Geschäftsführer der Werbeagentur DEGESTA mbH, klärt auf

Daniel Lange, Geschäftsführer der Werbeagentur DEGESTA mbH, sprach mit uns über die Lage in Bergisch Gladbach. Die Vorstellung, KAW würde am Ende ihres Vertrags ihre 103 Wartehallen an Bushaltestellen in Bergisch Gladbach einfach abbauen, wenn keine Firma sie nachbauen wollte, "entspricht nicht die Realität". Häufig wäre ein solches Szenario im Vertrag ausgeschlossen. Wenn nicht, dann würden die zwei Parteien zusammensitzen und einen vernünftigen Preis vereinbaren, z.B. 1 Euro. Die KAW hat kein Interesse daran, ein 100.000 Euro-Betrag umsonst auszugeben, um die Wartehallen zu entsorgen. Sie würden auch keine Gemeinde derart im Regen stehen lassen wollen, denn ihr Geschäft liege einer guten Zusammenarbeit mit den Gemeinden zugrunde. So etwas ist in Deutschland "noch nie passiert."

Nachdem ein Preis für die Wartehallen fest stünde, würde die Stadt den Betrag in der nächsten Ausschreibung weitergeben. Anstatt alle 103 Wartehallen auf Anhieb zu ersetzen, könnten sie nach und nach erneuert werden. 

Ein Ausfall der Einkünfte aus Tabakwerbung wäre in der Branche seit langem erwartet. Im Rahmen eines 15- bis 20-Jahren-Vertrags könnte sich kein Bieter auf solche Einkünfte verlassen. In Bergisch Gladbach auf Tabakwerbung zu verzichten wäre für die Werbeagenturen nunmehr ein "Null-Summe-Spiel": Man würde weniger Entgelt anbieten, aber mit demselben Gewinn am Ende herauskommen.

Ein Geschäftsführer eines anderen KAW-Konkurrenten, der zunächst anonym bleiben wollte, erklärte weiter, dass viele Verträge ausdrücklich den eventuellen Ausfall der Einkünfte aus Tabakwerbung behandeln. Entweder der Entgelt für die Gemeinde wäre dann gekürzt, z.B. um 5 oder 10%, oder eine Vertragsverlängerung würde eintreten.

Die erfolglose Ausschreibung in Bergisch Gladbach liege aber jedenfalls nicht an mangelnder Tabakwerbung. Vielmehr ginge es um überhöhte Erwartungen der Stadt und mangelnde Flexibilität. Die Nachfrage für Werbefläche sei in Großstädten wesentlich höher als in Bergisch Gladbach. Wir dürften uns nicht mit solchen messen lassen. Häufig wären Gemeinden bei solchen Ausschreibungen etwa unbedarft und schlecht beraten.
 
Dass Tabakerzeugnisse ein Drittel der Außenwerbung ausmachen würde, wie von der Stadtverwaltung behauptet, haben beide Geschäftsführer eben als übertrieben zurückgewiesen. 

DEGESTA gehört mit mehr als 13.500 Werbeflächen in über 130 Städten zu den führenden Stadtmöblierungs- und Außenwerbeunternehmen Deutschlands und ist insbesondere im Rheinisch-Bergischen-Kreis sehr aktiv. Sie ist Mitglied im Fachverband Aussenwerbung e.V.