7. Januar 2011 - Claudia Fasse, Sprecherin der Ströer AG, macht den Ernst der Lage in Bergisch Gladbach deutlich

Claudia Fasse, Sprecherin der Ströer AG, sprach mit uns über die Vertragslage in Bergisch Gladbach--und bestätigte den Ernst der Lage. "Bei den Gesprächen mit der Stadtverwaltung in Bergisch-Gladbach geht es im Januar um andere Punkte und offene Fragen. Aber wenn man zu keiner Einigung kommt und uns den Vertrag kündigt, kann die Konsequenz auch sein, dass Ströer die Wartehallen abbaut. Dessen ist sich die Stadt... bewußt." In einem Artikel der Stadtanzeiger vom 29.12.2010, Ein Vertrag, Zwei Meinungen, wies Martin Rolen, Pressesprecher der Stadt Bergisch Gladbach, genau auf dieses Szenario hin. "'Würde die Stadt tatsächlich auf eine Auflösung des Vertrages zum Jahresende bestehen, dann könnten alle 120 Wartehäuschen an Bushaltestellen abgebaut werden,' sagt Rölen - 'sie sind Eigentum der KAW.'" Am nächsten Tag schrieb der Kölnische Rundschau in Jugendschutz als Rohrkrepierer "So nimmt es nicht Wunder, dass man bei der KAW dem Fortgang der Dinge höchst gelassen entgegensieht." Ströer ist die Muttergesellschaft des städtischen Dienstleisters KAW GmbH.
 
Zu welchem Preis würde Ströer die Wartehallen dann anbieten, damit die Stadt zumindest diesen Preis für den Abkauf in der nächsten Ausschreibung festlegen könnte? Hierzu habe Ströer "kein Interesse". Vor und während der Ausschreibung gehe es darum, den Aufschlag zu bekommen. Im Moment steht keine Ausschreibung für Werbeflächen in Bergisch Gladbach offen. Die Stadt schrieb zuletzt am 23.12.2009 aus. Der Gewinner hätte alle Wartehallen neu errichten müssen, und zu diesen Konditionen bat keiner an. In anderen Städten wo Ströer tätig war, wäre es allerdings mehrmals vorgekommen, dass ein Mitbewerber den Aufschlag für einen Folgevertrag bekommen hat. In allen Fällen haben sich die beiden Konkurrenten auf einen vernünftigen Preis für den Restbestand geeinigt. In solchen Fällen werde in der Regel einen Sachwert ermittelt und auf dieser Basis gehandelt, allerdings erst nach der Vergabe und nicht mit der Gemeinde vor der Ausschreibung.

Weiterhin wäre Tabakwerbung für den Fortbestand des Vertragsverhältnisses in Bergisch Gladbach gar nicht entscheidend. An einem Tabakwerbeverbot würde sich ein Vertrag "nicht scheitern lassen", so Frau Fasse weiter. Tabakwerbung habe in den letzten 10 bis 20 Jahren an Bedeutung für die Branche verloren. Ihr Anteil beträge nur noch etwa 10-15% des Umsatzes, und anstatt Tabak- würde es Ausweichwerbung geben. 

Somit stellt sich die Frage, warum die Stadtverwaltung weiterhin städtische Werbeflächen für Tabakwerbung zur Verfügung gestellt hat, während bestehende Ratsbeschlüsse dies untersagte, ohne den Stadtrat überhaupt darüber zu informieren. Auf Konditionen hätte die Stadt offenbar mit Ströer einigen können.